Blanke Nerven im Nachtbus

von Achim

Gestern mussten wir uns leider schon wieder von Vang Vieng verabschieden. Schön war’s!

Das nächste Ziel auf unserer Router war Pakse, ca. 800km südlich von Vang Vieng. Für diese Strecke hatten wir einen Nachtbus eingeplant. Warum ich bei “Nachtbus” leicht nervöse Zuckungen bekomme, kann man hier nachlesen. Aber erstmal der Reihe nach. Erstmal ging es von Vang Vieng mit dem Minibus nach Vientiane, wo wir ca. sechs Stunden Aufenthalt hatten. Genug Zeit, um noch einen Tempel anzuschauen. Wir haben uns für den “Pha That Luang” entschieden:

Hui, so viel Gold!

Auch die Nebengebäude sahen sehr schick aus:

Ein beeindruckender Anblick.

Mit Einbruch der Dunkelheit ging es dann langsam Richtung Busbahnhof. Ich kann nicht leugnen dass mich die Situation ein wenig an damals in Buenos Aires erinnert hat - nur in deutlich kleinerem Maßstab:

Und hier war unser schöner Nachtbus:

Offenbar nicht mehr der neuste, aber er schien noch zu fahren. Der Unterschied zu den Nachtbussen in Lateinamerika ist allerdings dass es hier richtige Schlafliegen gibt:

Hört sich fantastisch an, wäre man nur nicht über 160cm groß:

Seine Schuhe zieht man übrigens beim Einsteigen aus und steckt sie in eine Plastiktüte. Das wird später noch wichtig, wenn’s um die Toilette geht.

Die Schlafplätze sind immer sehr enge Zweier-Nischen. Unsere Reise-Agentur hatte uns glücklicherweise eine Nische für uns beide organisiert. Ein Touri-Mädel, das auch noch mitgefahren ist, hatte weniger Glück: sie hat sich ihren Schlafplatz mit fünf(!) anderen Leuten und einem Baby in der letzten Reihe geteilt (da wo im Schulbus früher die “Coolen” saßen). Wie sie uns später erzählt hat, ein absoluter Albtraum. Das Paar mit dem Baby hatte sie in ihre Mitte genommen (hä?), sie hatte kein bisschen Platz, die Frau ist quasi auf ihr drauf gelegen und einmal wurde sogar das Baby auf ihr gewickelt. Sie meinte, ihr war absolut zum heulen zumute. Na, da können wir uns ja richtig glücklich schätzen…

Sorgen hatten wir jedoch nicht nur vor Verlust unserer großen Rücksäcke oder Wertsachen - das Klo war auch noch der ziemliche Horror. Wie man sich denken kann war die Klo-Kabine sehr klein. Neben der Kloschüssel war, anstatt eines Waschbeckens, jedoch eine große Wassertonne im Klo (wie hier oft üblich). Diese konnte benutzt werden um sich nach dem Geschäft abzuwaschen und zu spülen (eine “normale” Spülung gab es nicht). Die Tonne war am Anfang ziemlich voll und man kann sich vorstellen dass das in einem fahrenden Bus nicht gut geht. Dementsprechend war der Boden komplett nass. Eigentlich war alles in dem Klo komplett nass. Ob das jetzt Wasser war oder andere Flüssigkeiten, da wollten wir lieber nicht darüber nachdenken. Da die Fahrt ca. 10h gedauert hat gab es leider keine Alternative zu “Augen zu und durch!”.

Naja, wir konnten unterwegs sogar ein bisschen schlafen. Und unser Gepäck war am Ende auch noch da:

Was für ein Erlebnis!

Das geht:

  • Das kleine Café in Vientiane mit leckeren Törtchen und Tiramisu
  • Die nette Betreuung durch Sarah Transport
  • Nichts abhanden gekommen!

Das geht nicht:

  • Barfuß in das nasse Nachtbusklo gehen (ja, es gab einige Leute die das knallhart gemacht haben)
  • Der Duft von gegrillten Fleischspießen, die Händler um 5:30 morgens im Nachtbus verteilen
  • Am Morgen im Hotel ankommen, schonmal in der Lobby, in freudiger Erwartung auf die Zahnreinigung, die Zahnpasta auf die Zahnbürste machen, nur um dann festzustellen dass das Bad gerade geputzt wird und die Person dazu ca. eine Stunde braucht (man kommt sich leicht blöd vor so lange mit Zahnpasta auf der Zahnbürste in der Hotel-Lobby herumzusitzen)
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Action in Vang Vieng

von Achim

Unseren letzten vollen Tag in Vang Vieng wollten wir gut nutzen. Wir sind wieder mit Leihfarrädern losgezogen. Diesmal ging’s zum Nam Xay Ausguck. Der Weg nach oben war, aufgrund heftiger Erosion, ziemlich abenteuerlich (Treppen werden aber gerade gebaut). Und natürlich wieder richtig schön steil. Hier mag man’s wohl kurz und heftig.

Allerdings wird man oben auch mit herrlichen Ausblicken belohnt - sofern man sich auf die Plattform traut:

Das Holzgestell war alles andere als vertrauenserweckend. Aber das reicht den Leuten hier noch nicht als Nervenkitzel. Sie haben noch ein altes Motorrad am Abgrund aufgestellt, auf dem man für Selfies posieren kann:

Geilomat!

Beim Abstieg kamen uns wahre Touri-Horden entgegen. Wir waren froh, schon von der klapprigen Holz-Plattform auf dem Gipfel runter zu sein.

Mit dem Fahrrad ging’s dann weiter durch das Tal, tiefer in’s Hinterland. Wir sind an (trockenen) Reisfeldern, vielen Kühen und toller Landschaft vorbeigefahren:

Die Gegend war noch richtig urig. Es war toll durch die kleinen Dörfer zu fahren und das normale Straßenleben zu sehen.

Unser Ziel war die Blaue Lagune 3 (es gibt insgesamt sechs von ihnen). Hier haben die Leute richtig schön was zum Spaß haben aufgebaut:

An der verwegenen Galgenkonstruktion war ein Seil aufgehängt. Mit dem konnte man sich in’s Wasser schwingen - bevorzgt mit einem Backflip im Abgang. Daneben gab’s noch eine Seilbahn in’s Wasser und eine Plattform zum springen. Aber wie gestern auch schon: erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Auch bei dieser Lagune gab’s eine Höhle, die man selbst erkunden durfte. Erst dachte ich, “die paar Bretter im Loch können wohl schlecht der Höhleneingang sein”:

Ich lag falsch. Unten mussten wir uns durch ein kleines Loch quetschen und sind dann über weitere fragwürdige Holzleitern tiefer in die Höhle abgestiegen. Glücklicherweise sind wir recht bald in einen großen Raum gekommen in dem man wieder aufrecht stehen konnte. Cool war dort dass die Decke beim anleuchten total gefunkelt hat. Ansonten gab es das zu sehen, was man so von einer guten Höhle erwarten kann: Stalagmiten und Stalagtiten.

Und riesige Spinnen (deutlich gößer als ein Handteller):

Beim unterirdischen See haben wir wieder umgedreht. Am Ausgang waren wir sehr froh wieder draussen zu sein. Da will man wirklich nicht zugeschüttet werden.

Jetzt aber ab in’s Wasser und an den, völlig TÜV-unkonformen, Konstruktionen ausgetobt! :D

In Vang Vieng gibt es einen kleinen Flugplatz für Motorschirme, an dem wir gestern Abend schon zum kurz angehalten haben. Beim beobachten des Treibens dort hatte ich wirklich Lust bekommen das selbst mal auszuprobieren. Und da der Flug mit 1.200.000 Kip (ca. 48 EUR) für 15min erschwinglich war, habe ich die Gelegenheit genutzt. Es gab zum Glück noch eine Lücke im Flugplan für mich, sodass wir das noch spontan auf dem Heimweg einschieben konnten.

Es ging alles sehr unkompliziert und schnell. Ich habe mich auf einen kleinen Sitz direkt vor den Piloten gesetzt und dann hat das Teil auch schon gleich abgehoben. Die Aussichten waren wirklich unschlagbar:

Vielleicht fragt ihr euch was denn ein Motorschirm ist. Ursel hat es treffend als eine Kombi aus Gleitschirm und einem, mit einem Rasenmähermotor betriebenen, Ventilator beschrieben:

Ich fand Fluggeschwindigkeit und -höhe ist sehr angenehm. Und man bekommt Blicke auf die Landschaft, die einem als Wanderer verwehrt bleiben:

Die 15min vergingen wie im Flug (räusper). Ein richtig krönender Abschluss für einen ohnehin schon richtig tollen Tag! Action hatten wir heute auf jeden Fall genug.

Das geht:

  • 120 Höhenmeter auf 340m Strecke - hört sich nach nicht viel an, haut aber trotzdem rein
  • Den Leuten bei der Lagune zuschauen wie sie sich an den Konstruktionen austoben (inkl. Epic-Fails) - und es natürlich auch selbst machen (inkl. Epic-Fails)
  • Wie kurz Start und Landung mit einem Motorschirm sind

Das geht nicht:

  • Die Konstruktionen hier - unser Vertrauen in die laotische Handwerkskunst wird wirklich bis an’s äusserste getestet
  • Komplett zugestaubte Chipstüten - ja OK, wir kaufen dann woanders ein
  • Leute, die Zeug in einen unterirdischen See werfen, nur um zu hören wie es “platsch” macht - solche Ökosysteme sind in der Regel ziemlich sensibel
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Outdoorhimmel in Laos

von Achim

In Vang Vieng wurden früher wilde Parties gefeiert - bis es irgendwann zu viele Tote gab (Drogen und baden ist eine schlechte Kombi) und die Regierung dem Treiben ein Ende gesetzt hat. Mittlerweile setzt man auf Ökotourismus. Und das kann man auch. Die Gegend ist mit einer sehr schönen Landschaft gesegnet.

Ursel hatte die geniale Idee Fahrräder zu mieten. Erste Station damit war der Big Pha Ngern Viewpoint. Es ging mal wieder sehr steil bergauf:

In der Hälfte zum Gipfel befindet sich eine kleine Hütte, bei der man Getränke kaufen kann. Die Aussicht von dort ist grandios:

Die Felsformationen im Berg sind bizarr und extrem ausgewaschen:

Teilweise waren die Kanten der Felsen so scharf dass wir aufpassen mussten uns beim festhalten nicht zu schneiden.

Beim Gipfel gibt es nochmal eine kleine Hütte und einen schönen Ausblick in’s Tal:

Der zweite Aussichtspunkt ganz oben ist etwas versteckt und der Weg dorthin ist nicht sehr vertrauenserweckend. Wir mussten echt aufpassen wo wir hintreten und waren uns nie ganz sicher wie stabil die porösen Felsen unter unseren Füßen sind. Mit den ganzen Löchern und steilen Kanten nicht ganz angenehm.

Um Vang Vieng gibt es mehrere Lagunen. Da wir nach dem Abstieg ziemlich fertig waren, wollten wir einfach zur nächstgelegenen: der Blauen Lagune 1. Auf dem Weg dorthin haben wir Rinder gesehen die sich im Schlamm abgekühlt haben:

Die Blaue Lagune 1 hat ihren Namen verdient. Jemand hatte schönerweise einen Sprungturm an einen Baum drangebaut, von dem man in’s angenehm kühle Wasser springen konnte:

Vor dem Baden wollten wir aber erst noch zur Tham Phu Kham Höhle, direkt neben der Lagune. Allerdings mussten wir auch hier erst wieder ziemlich steil den Berg hochkraxeln - diesmal jedoch freundlicherweise mit Geländer und deutlich kürzer.

Der Aufstieg hat sich gelohnt - die Höhle ist riesig! Ich vermute dass das Licht durch einen der Eingänge zu einer bestimmten Tageszeit direkt auf den Buddha-Schrein fällt:

Den Zeitpunkt haben wir knapp verpasst. Allerdings konnte man selbstständig weiter in die Höhle reingehen. In weiser Vorraussicht hatten wir Stirnlampen mitgebracht. Die haben wir auch gebraucht. Irgendwann waren wir von völliger Dunkelheit umgeben. Da eine der Lampen allerdings fast keine Batterie mehr hatte und dann auch tiefe Löcher im Höhlenboden aufgetaucht sind, sind wir relativ bald wieder umgedreht. Schön kühl war es aber da drin - herrlich!

Nach einer kurzen Abkühlung in der Lagune mussten wir langsam den Heimweg antreten. Ab 16:00 starten die Heissluftballons und Paramotor-Flieger:

Ein gelungener Tag! Wir haben uns sehr über unsere Fahrräder und die damit verbundene Mobilität gefreut:

Einfach schön, mal wieder im Sattel zu sitzen.

Das geht:

  • Echte italienische Pizza - eine willkommene Abwechslung nach zwei Monaten Reisgerichten
  • Fahrrad fahren
  • Autos mit Goldlack, die aussehen wie ein Goldnugget - ich kann kaum fassen dass das noch nicht in Neukölln angekommen ist

Das geht nicht:

  • Unser Wasserbedarf
  • Vergessen, neue Batterien für die Stirnlampen mitzunehmen
  • Sein Zimmer direkt neben einer Karaoke-Bar haben
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Vientiane

von Achim

Gestern Abend sind wir mit dem Special Express No. 25 losgefahren. Er fährt von Bangkok bis nach Nong Khai, direkt an der Grenze zu Laos. Im Gegensatz zum Nachtzug der von Bangkok nach Vientiane durchfährt, kann man hier Schlafkabinen der ersten Klasse buchen. Wären wir früher dran gewesen hätten wir eine abschließbare private Zweierkabine buchen können. So waren aber nur noch genau zwei Plätze, leider in unterschiedlichen Kabinen, frei. Und so sehen die Schlafwägen aus:

Sehr schöne Sache. Der Zug ist um 20:25 in Bangkok losgefahren und gegen 6:15 waren wir in Nong Khai, an der Grenze. Vom Bahnhof läuft man ca. 15min zum Grenzübergang:

Nachdem wir aus Thailand ausgereist waren, mussten wir einen Shuttle-Bus (35 Baht p.P.) über die Friendship-Bridge nehmen, die die beiden Länder über den Mekong verbindet. In Laos zahlt man dann für ein Visa-on-Arrival 40 USD p.P. - nur einwandfreie, komplett knitterfreie Scheine werden akzeptiert!

Weiter ging’s mit dem Bus #14 direkt von der Grenze in die Innenstadt von Vientiane (30 Baht p.P.). In Laos wird der Kommunismus noch zelebriert und man sieht überall in Vientiane dessen Fahnen:

Im Hotel hat man uns erstmal ein kostenloses Frühstück serviert, obwohl wir mehrere Stunden zu früh da waren:

Sehr nett.

Dann sind wir in die Stadt losgezogen. Vientiane, die Hauptstadt von Laos, ist mit ca. 350.000 Einwohnern relativ klein und nicht zu vergleichen mit Bangkok oder Kuala Lumpur.

Was sie aber mit Bangkok gemeinsam hat sind die Tempel:

Allerdings ist der Stil hier schon ziemlich anders:

Wir haben sogar einen Pagoden-Tempel gesehen:

Beim dem ganzen Tempel-Hopping muss man aber schauen wo man hintritt. Im Gehweg sind manchmal ziemliche Löcher:

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Vientiane ist der Triumphbogen:

Wir haben ihn bestiegen, um den Ausblick auf die Stadt zu genießen (30.000 Kip p.P., ca. 1,20 EUR).

Ganz in der Nähe befindet sich der “World Peace Gong”, den Laos von Indonesien bekommen hat:

Leider ohne Schlägel.

Ganz schön langer Tag heute. Schlafen bitte.

Das geht:

  • Der thailändische Nachtzug - Top Sache!
  • Nach einer langen Reise vom Hotel ein Frühstück geschenkt bekommen
  • Wenn Geld abheben einfach funktionert

Das geht nicht:

  • Schön dass man die Visa-Gebühren bei der Einreise nach Laos auch in Thai-Baht zahlen kann, aber ein Aufschlag von über 35% kommt mir schon leicht übertrieben vor
  • Für manche Gerichte sind wir nicht bereit: gegrilltes Kuheuter, gegrillte Rindersehnen, gegrilltes Schweinegedärm, Haifischflossensuppe oder auch der detulich harmloser klingende Papayasalat - so scharf dass Ursel Tränen in den Augen hatte (sie hatte die “not spicy”-Variante bestellt)
  • Sehen wie hier geputzt wird - Ursel hat das heute (leider?) beobachtet: der Bodenwischmop wurde auch zum Kloschüssel putzen verwendet…
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