Weihnachten auf chilenisch

von Achim

Heute hat unser Zeltplatz alle Gäste zu einem Cardero Patagónico eingeladen: einem Lamm, über den Flammen gegrillt. Das ist wohl nicht so üblich in Chile, aber auf diesem Zeltplatz alte Tradition. Ein Cordero Patagónico ist eine sehr leckere Sache, welche wir bereits in Argentinien genießen konnten. Deshalb haben wir uns sehr darauf gefreut. Es war etwas Besonderes zu sehen, wie es zubereitet wird.

Grundlage des Grillgerichts ist ein ausgenommenes Lamm:

Die Rippen werden von unten angeschnitten, damit sich das Lamm besser auf den Spieß aufspannen lässt:

An der Keule und an der Schulter werden zusätzliche Schnitte gemacht, weil das Fleisch sonst zu dick wäre:

Schließlich wird das Lamm auf ein kreuzartiges Gestell gespießt. Zusätzliche Spieße fixieren das Fleisch auf einer planen Fläche:

Zum Grillen wird das Gestell in den Boden, neben dem Feuer, gerammt. Zuerst wird der Rücken gegrillt und dann die Unterseite:

Zwischendurch wird das Lamm immer wieder mit Chimichurri, einer würzigen Soße aus Argentinien, übergossen. Das Grillen dauert zwischen zwei und vier Stunden. Am Ende hat man sehr leckers Lammfleisch:

Man braucht also etwas Geduld, aber das Warten lohnt sich. Mit zwei Lämmern war mehr als genug für alle da. Eine wirklich sehr nette und großzügige Geste unserer Gastgeber.

Als Verdauungsspaziergang haben wir noch einen kleinen Ausflug zum Reserva Nacional Tamango gemacht, durch welches der tiefblaue und glasklare Río Cochrane fließt:

Ein schöner Ausklang für ein so tolles Festessen.

Das geht:

  • Die Gastfreundlichkeit der Chilenen
  • Lammfleisch
  • Wie es der Metzger schafft, mit gezielten Schnitten, spielend leicht die Knochen voneinander zu trennen

Das geht nicht:

  • Sonnenbrandgefahr bis 20:00
  • Mit geschlossenen Augen in der Hocke zu duschen, weil der Duschschlauch zu kurz ist - probiert’s mal aus!
  • Busse, die um 6:30 morgens abfahren
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Parque Nacional Patagonia

von Achim

Vor zwei Tagen sind wir in Cochrane angekommen. Das ist der erste Ort seit Tagen, in dem es wieder Internet, einen Geldautomaten und gescheites Obst und Gemüse gibt.

Nicht weit von Cochrane befindet sich der Parque Nacional Patagonia. Dieser Park ist eine Landspende von Douglas Tompkins, dem Gründer der Outdoor-Marke “The North Face”. Anscheinend hat er noch weitere Parks in Südmarika gestiftet, wie den Pumalín Park oder den Corcovado National Park.

Leider geht kein öffentlicher Bus in den Park. Deshalb haben wir uns einfach mit den “zwei Belgiern” zusammengetan und uns ein Taxi dorthin geteilt. Der Wanderweg “Lagunas Altas” wurde uns am Tag zuvor von den “zwei Amerikanern” empfohlen. Die Gesamtlänge des Weges beträgt ca. 20km und es ging, passend zum Namen, gleich am Anfang schon richtig steil bergauf. Nachdem wir am Grat des Berges fast vom Wind weggeblasen wurden, wurde es oben dann wieder etwas ruhiger und wir kamen an die erste Lagune:

Ab hier ging es dann relativ eben weiter. Wir hatten gute Blicke ins Tal und auf die umliegenden Berge:

Ein Stück weiter bot sich an der Kante des Berges ein fantastisches Panorama über das Tal, welches unser Reiseführer als “Serengeti Südamerikas” beschreibt:

Deshalb dachten wir, wir könnten hier viele Wildtiere sehen. Das war leider nicht der Fall. Lediglich Guanakos waren in großer Zahl vorhanden:

Der Weg schlängelt sich auf einer Hochebene vorbei an weiteren Lagunen und durch kleine Wälder:

In den Wäldern Patagoniens sieht man immer wieder komische Gebilde an den Bäumen. Dabei handelt es sich um einen essbaren, parasitären Pilz mit süßlichem Geschmack, der eine bestimmte Buchenart befällt. Von den Leuten hier wird er “Llao Llao” oder auch “Pan de indio” genannt:

Der Pilz wird in Süßigkeiten und Desserts verarbeitet.

Nicht all zu weit vom Parkeingang entfernt, fließt der Rio Nef in den Rio Baker. Die Mündung dieser beiden türkisblauen Flüsse wird von einer pittoresken Hügellandschaft geschmückt:

Leider hatten wir Gegenlicht, weshalb das Foto diesem poetischen Anblick nicht ganz gerecht wird.

Das geht:

  • Immer wieder die gleichen netten Leute treffen (z.B. “die beiden Amerikaner”, “die beiden Belgier”, “das Mädchen aus Belgien”, “den radfahrenden Franzosen” und “die drei Amerikaner”, die eigentlich ein Amerikaner, ein Engländer und eine Italienerin sind)
  • Das neu eröffnete Museum des PN Patagonia, welches einem sehr anschaulich das Problem der Überbevölkerung und dessen Folgen vor Augen führt
  • Endlich wissen dass der Bunte Adler, den man hier ab und zu rumlaufen sieht, ein “Caracara” ist (danke an die nette Rangerin im PN Patagonia)

Das geht nicht:

  • Sich völlig fertig auf eine 22km lange Wanderung begeben
  • Vom patagonischen Wind fast weggeblasen werden
  • Behaupten dass Tiramisu eine peruanische Erfindung ist
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Tortel

von Achim

Heute ging es mit einem kleinen Bus und drei Pannen von Villa O’Higgins nach Tortel. Zuerst galt es überhaupt an Busfahrkarten zu kommen, was gar nicht so einfach war, weil niemand im Verkaufshaus war. Nachdem der Fahrer der Fahrkartendame angerufen und bei ihr am Haus geklopft hatte, kam Leben in die Bude und alle Passagiere konnten ihre Fahrkarten kaufen. Die Fahrt konnte losgehen. Der Fahrer hat sich dabei als echter Rennfahrer herausgestellt und ist teilweise fast durch die Kurven der Schotterstraße geschlittert (im Rennjargon: gedriftet). Nach einer halben Stunde kam dann die erste Panne: Der Fahrer hatte vergessen einen Zusatzstoff in den Tank zu kippen und so mussten wir einen kurzen Boxenstopp einlegen und auf seinen Kollegen warten, der ihm einen Kanister von dem Zeug mitbrachte. Dann ging’s weiter auf der Rennpiste. Kurz nach der Fährfahrt kam dann die zweite Panne: Irgendwas unter dem Bus war locker. Ah, das war vermutlich das unangenehme Geräusch, das der Bus beim rückwärts Einparken auf die Fähre gemacht hatte. Der Fahrer hat sich kurzerhand unter den Bus geschmissen und mit vereinten Kräften, und einem Stück vom Gepäckband der Dachladung, wurde das Ganze dann notdürftig geflickt:

Nachdem sich unser Rennfahrer zuerst mit der Geschwindigkeit zurückgehalten hatte, wurde es ihm bald zu blöd und er hat wieder ordentlich auf die Tube gedrückt. Kurz vor Tortel hat sich nochmal was vom Boden des Busses gelöst, was er aber wieder mit ein bisschen hämmern und klopfen repariert hat. Also alles kein Problem und wir sind trotzdem noch erfolgreich über die Ziellinie in Tortel gerast. Nachdem wir unsere Rucksäcke vom Dachträger wieder hatten, mussten wir erstmal ordentlich den Staub rausklopfen.

Tortel ist ein besonderes Dorf. Alles hier ist auf Stelzen und Stegen gebaut, vermutlich weil es in einem Sumpf liegt. Sogar der Zeltplatz ist auf Stelzen:

Und da Tortel am Wasser liegt, spielt die Bootsfahrt eine große Rolle. Man sieht viele Boote im Wasser, einige davon allerdings nicht mehr ganz so fit:

Es gibt einen Wanderweg auf den Cerro Vigia, einer der Hausberge von Tortel - natürlich auch auf Stelzen. Der Weg bietet schöne Blicke auf die umliegenden Berge:

Leider war es, wie man sieht, ziemlich wolkenverhangen, weshalb wir die Gipfel nicht sehen konnten.

Von ganz oben hat man einen tollen Blick auf das Dorf und die Bucht mit dem türkisblauen Wasser:

Einfach der Wahnsinn!

Ein Stück weiter bieten sich tolle Aussichten in die Bucht nach Norden:

Sogar auf dem Berg ist alles sumpfig. Und so war an den Stellen, an denen den Leuten die Motivation für den Stegbau ausgegangen ist, ordentlich Matschpartie angesagt.

Gegen Ende des Weges bietet sich nochmal eine andere Umgebung und man läuft durch richtig urigen Wald:

Sehr schön, fehlen nur noch die Pumas!

Das geht:

  • Fahrer, die sich von drei Pannen nicht aufhalten lassen
  • Sein Zelt am Boden festnageln
  • Ein grünes Dorf, komplett auf Holzstegen gebaut

Das geht nicht:

  • Streuner-Hunde, die einem für ewig nachlaufen und dann Revierkämpfe mit anderen provozieren
  • Die Obst- und Gemüseauswahl in den abgelegenen Orten
  • Unser Spanisch
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Auf nach Chile

von Achim

Gestern morgen sind wir früh aufgestanden um den Bus zum Lago Desierto zu nehmen. Nach gut 1,5h sind wir dann auf das Schiff umgestiegen, um die Seeüberfahrt, mit Blick auf den Fitz Roy, zu machen. Am Ende des Sees befindet sich das argentinische Grenzhäuschen, bei dem man sich die Ausreise stempeln lassen muss. Dort sitzt dieser Mann sehr einsam in einem großen Zimmer am Schreibtisch und wartet auf die Passagiere der zwei Schiffe, die hier am Tag durchkommen:

Danach sind es noch 22km zu Fuß bis zum Grenzposten in Chile. Durch die ersten 6km in Argentinien führt ein schöner Wanderweg, überschattet mit Bäumen. Hin und wieder gibt es abenteurliche Abschnitte, die man spielerisch nehmen kann:

Nachdem wir noch einer Reitgruppe begegnet sind (in Argentinien gibt es wirklich überall Reittouren und so kann man den Grenzübertritt auch per Pferd machen) kamen wir dann irgendwann aus dem Wald raus und wurden mit einem Wilkommensschild in Chile begrüßt:

Ab hier geht der Weg dann auf einer Schotterstraße weiter. Wir hatten ziemlich bewölktes Wetter, weshalb man nicht viel von den Bergen links und rechts gesehen hat. Von daher war der Weg relativ dröge. Gegen Ende tauchte aber dann plötzlich das türkise Blau des Lago O’Higgins in der Ferne auf:

Von hier aus waren es dann nur noch ein paar Kilometer, bis wir frohlockend die Stufen des chilenischen Grenzpostens hochgekrochen sind, um uns die Einreise stempeln zu lassen.

Glücklich in Chile angekommen, war auch der Zeltplatz von Candelario Mansilla nicht mehr weit. Dieses “Dorf” besteht eigentlich nur aus dem Grenzposten, dem Zeltplatz und dem Bootsanleger. Wir haben uns schon gefragt wie sie hier die Mannschaft für das Fußballfeld beim Grenzposten zusammenkriegen.

Candelario Mansilla ist extrem abgeschnitten und man kommt nur per Boot zum Rest des chilenischen Festlandes. Dieses Boot fährt aber nur an bestimmten Tagen und fällt bei schlechten Wetterbedingungen aus. Wir hatten für die Überfahrt am nächsten Tag allerdings bestes Wetter und konnten die Zeit bis zur Abfahrt noch am See mit der unwirklichen Farbe verbringen:

So lässt es sich aushalten!

Gegen 17:00 kam dann das Boot und es ging weiter. Auf der 3,5h langen Überfahrt nach Villa O’Higgins gab es eine Unmenge schöner Wassefälle zu sehen:

In Villa O’Higgins sind wir nachts nach diesem anstrengenden Zwei-Tages-Trip todmüde ins Bett gefallen.

Das geht:

  • Eine Horde freilaufender Pferde, die einem entgegengallopiert
  • Eine Menge netter Leute treffen, die den gleichen Weg gehen
  • Den Weg zu einem “Geheimstrand” durch Buschtunnels und vesteckte Wege gezeigt bekommen

Das geht nicht:

  • Wenn das einzige Klo auf dem Zeltplatz verstopft ist, weil jemand das Klopapier in die Schüssel, anstatt den Mülleimer geschmissen hat
  • Nachdem man 22km gelaufen ist, an der chilenischen Grenze gesagt bekommen dass man wieder zur argentinischen Grenze zurück laufen muss, weil man den Grenzposten übersehen, und somit keinen Ausreisestempel im Pass hat (ist zum Glück nicht uns passiert, sondern einem Mitreisenden - der arme Kerl musste die Strecke also dreimal laufen)
  • Für mehrere Tage im Nirgendwo festsitzen (ist uns zum Glück auch nicht passiert, aber wir haben die verzweifelten Nachrichten am Scheunentor des Zeltplatzes in Candelario Mansilla gelesen)
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Cerro Torre

von Achim

Gestern war der letzte Tag unserer Drei-Tages-Wandertour um El Chalten. Morgens bin ich gleich mal aus dem Zelt und habe geschaut ob man den Cerro Torre sehen kann. Dieser war aber leider immer noch komplett in Wolken verhüllt. Dafür hat man die umliegenden Berge gesehen - frisch bepudert von Neuschnee:

Als es dann auch noch auf dem Zeltplatz angefangen hat zu schneien, haben wir schnell zusammengepackt. Wir wollten das Zelt nicht nochmal nass einpacken.

Beim Frühstück haben wir dann plötzlich diesen hübschen Specht mit knallrotem Kopf entdeckt:

Danach sind wir schnell mit vollem Gepäck zum Aussichtspunkt beim Lago Torre, dem Gletschersee des gleichnamigen Berges, aufgebrochen. Und wir waren sehr froh dass die Wolken sich langsam gelichtet haben und wir diesen tollen Berg in seiner ganzen Schönheit sehen konnten:

Was für ein Anblick! So einen abgefahrenen Berg habe ich ja noch nie gesehen! Feunden der Dolomiten wird es hier Freudentränen in die Augen treiben. Unglaublich.

Der eisige Wind hat es uns erleichtert uns irgendwann von dem Anblick loszureissen. Dann ging es durch eine ganz andere Landschaft wieder zurück Richtung El Chalten:

An einer Stelle habe ich aus dem Augenwinkel eine kurze Bewegung auf einer Klippe auf der anderen Seite der Schlucht gesehen. Nach genauerem hinsehen haben wir uns gefragt ob es ein Anden-Condor ist. Denn obwohl er sehr weit weg war, war er immer noch riesig. Leider ist er da nur rumgesessen und hat gewartet. Wir wollten diesen Giganten aber gerne fliegen sehen, also haben wir auch gewartet. Und gewartet. Nach 20min sind wir dann weiter gegangen. Ein paar Meter weiter hatte man dann aber noch eine bessere Sicht auf die andere Seite der Schlucht. Also sind wir noch ein bisschen rumgestanden und haben weiter auf den Condor in der Ferne gestarrt. Bis dieser schließlich, nach ca. einer halben Stunde, seine mächtigen Schwingen erhoben hat und durch die Luft geflogen ist:

Das Warten hatte sich gelohnt! Mit einer Spannweite von über 3m und einem Gewicht von bis zu 15kg ein echter Koloss von einem Vogel!

Dann ging es neben der Schlucht wieder zurück ins Dorf:

Dort angekommen, haben wir die Tour mit einem gebührenden Stück Torte abgeschlossen:

An die Wandern-und-Einkehren-Kombi könnte man sich doch glatt gewöhnen.

Das geht:

  • Abgefahrene Berge, die aussehen als würden sie direkt aus einem Fantasy-Roman kommen
  • Wenn sich das Warten auf Tiere lohnt
  • Duschen!

Das geht nicht:

  • Plumpsklos, die zu 99,98% voll sind
  • Ein Restaurant das ein Klofenster direkt in die Küche hat - wobei man sagen muss dass ich noch nie mit so gutem Duft in der Nase auf der Schüssel gesessen bin
  • Die Werbung im Geldautomaten falsch verstehen und denken dass man nur 500 Pesos abheben kann - bei 234 Pesos Gebühren
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